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Orthopädie Freiburg Die Supraspinatus-Sehne
Orthopädie Freiburg
 
Funktion:
Die Supraspinatus-Sehne (SSP-Sehne) bildet den oberen Anteil der Rotatorenmanschette. Der Supraspinatus-Muskel unterstützt die seitliche und vordere Armhebung und trägt wesentlich zur Schulterzentrierung bei. Eine funktionstüchtige SSP-Sehne wird u. A. für Überkopfarbeiten und das Anheben von Gegenständen über die Horizontale hinaus benötigt.

Verletzungen der Supraspinatus-Sehne:
Die Supraspinatus-Sehne ist derjenige Anteil der Rotatorenmanschette, der durch seine exponierte Lage zwischen Oberarmkopf und Schulterdach besonders Anfällig für Verletzungen und Überlastungen ist. Dies hat schwerwiegende Folgen für die Funktion der Schulter. Auf dem Boden von chronischen Fehlbelastungen oder kleineren Unfallereignissen entstehen chronische Entzündungen der Sehne. Kommt erschwerend ein begleitender knöcherner Engpass hinzu (Outlet-Impingement), so ist es häufig nur eine Frage der Zeit, bis die Entzündung und die mechanische Reibung durch den Engpass in einem Einriß der Supraspinatussehne münden. Typischerweise verstärken sich die Schulterbeschwerden über Jahre hinweg. Bisweilen wird der letztliche Abriß der Sehne als "Riß in der Schulter" beim Anheben eines Gewichtes oder einer ungeschickten Bewegung wahrgenommen. Dies stellt dann jedoch nur den berühmten "Tropfen" dar, der das "Faß zum überlaufen" brachte. Die Sehne wurde in der Regel bereits zuvor über Jahren hinweg durch die oben genannten Reibungs- und Entzündungsmechanismen geschwächt. Dies ist übrigens auch der Grund, warum es bei Patienten über 50 nur selten gelingt, einen Unfall als Ursache der Supraspinatus-Sehnen-Verletzung geltend zu machen (bei Unfallversicherungen oder der Berufsgenossenschaft) - auch wenn vor dem Ereignis wenig oder gar keine Beschwerden an der Schulter bestanden.

Unfallmechanismus:
Zumeist liegt, wie im vorigen Abschnitt ausgeführt, bei einem Abriß der Supraspinatus-Sehne kein adäquater Unfallmechanismus vor - vielmehr handelt es sich in der Regel um ein schleichendes Voranschreiten von entzündungs- und abnutzungsbedingten Teil-Einrissen der Sehne. Von einer überwiegend unfallbedingten Verursachung eines Sehneneinrisses ist allenfalls dann auszugehen, wenn die Verletzung beim Abfangen eines Sturzes mit nach hinten gestrecktem Arm entstand. Auch eine forcierte Rotation des Armes (Festhalten beim Absturz von einem Gerüst) oder ruckartiger Zug am Arm (z. B. Einzug in eine laufende Maschine) können in einigen Fällen eine unfallbedingte Verletzung des SSP-Sehne herbeiführen und werden dann auch so anerkannt.

Symptomatik:
Patienten mit frischer Verletzung der Supraspinatussehne berichten häufig über ein "reißendes Geräusch" beim Unfallereignis. In der Regel entstehen die Schmerzen jedoch schleichend und nehmen in wellenförmigem Verlauf über Monate und Jahre hinweg zu. Die Schulter schmerzt stark, auch in Ruhe (Nachtschmerz). Beschwerden treten zuletzt bei einfachen Alltagsbetätigungen auf, z. B. beim Anheben einer Kaffee-Tasse oder beim Einräumen von Geschirr in einen Oberschrank.

Diagnostik:
Die klinische Untersuchung zeigt neben lokalen Druckschmerzen im Ansatzbereich der SSP-Sehne (Tuberculum majus) zumeist eine Schwächung der Abduktion gegen Widerstand im Seitenvergleich (positiver Jobe-Test). In ausgeprägten Fällen ist das "drop arm sign" positiv. Das heißt, dass der mit Unterstützung angehobene Arm nicht aus eigener Kraft in einer mittleren Abduktionsstellung gehalten werden kann und schmerzhaft nach unten fällt. Außderdem kann bisweilen eine Atrophie (= Schwund) des Muskelbauches des Supraspinatusmuskels gefunden werden. Konventionelles, bzw. digitales Röntgen hilft dabei, knöcherne Verletzungen auszuschliessen und gibt Informationen über den Gesamtzustand des Schultergelenkes (Arthrose? Schulterdachform? Oberarmkopfhochstand als Zeichen einer chronischen Ruptur der SSP-Sehne?). Ultraschall- und MR-Diagnostik zeigen den Abriß der Sehne als deutliche Kontinuitätsunterbrechung, häufig mit Flüssigkeitssignalen im Rupturbereich. MRT zeigt zudem den Grad der Retraktion (wie weit die Sehne sich zurückgezogen hat) und den Zustand des Supraspinatus-Muskels (Grad der Verfettung). Dies sind wichtige Faktoren für die Frage, ob eine Operation erfolgversprechend empfohlen werden kann.

Behandlung:
Die konservative Therapie einer nachgewiesenen höhergradigen Teilruptur oder gar Komplettruptur der SSP-Sehne ist nicht erfolgversprechend. Einrisse der Rotatorenmanschette können nach allgemeiner Auffassung nicht von selbst heilen. Allenfalls bei sehr alten Patienten mit Allgemeinerkrankungen, bei begleitenden Nervenschäden (Lähmung des Deltamuskels nach Luxation) oder deutlichen Arthroseveränderungen mit Dezentrierung des Oberarmkopfes (= Cuff-tear-Arthropathie) kann eine Operation kontraindiziert (= nicht angezeigt) sein. In allen anderen Fällen muss die Möglichkeit einer operativen Wiederanheftung (Refixation) der Sehne an den Oberarmknochen geprüft werden. Auch bei ausgedehnten Rupturen führen selbst teilweise Rekonstruktionen der Sehnenmanschette erfahrungsgemäß zu einer Besserung der Schulterfunktion und zu einer Verminderung der Schmerzsymptomatik. Die Supraspinatussehne sollte operativ möglichst anatomisch an ihrem Ansatz am Tuberculum majus refixiert werden. Dies ist bei entsprechender Ausbildung und Operationstechnik für einen geübten Operateur oft auch bei weiter Retraktion der Sehne noch möglich. Die bei ausgedehnten Rupturen oft begleitend vorliegende Pulleyläsion (schmerzhafte Instabilität der langen Bicepssehne am Eintritt in die Bicepsrinne)wird in der Regel mitbehandelt durch Verlagerung des Bicepssehnenansatzes in den Bereich der Bicepsrinne (Tenotomie und Tenodese der langen Bicepssehne). Der Eingriff kann heutzutage in den meisten Fällen rein arthroskopisch durchgeführt werden, es werden Miniatur-Fadenanker aus Titan oder resorbierbaren Materialien verwendet.

Fallbeispiel:

Hier sehen Sie die Bilder eines 75-jährigen, körperlich sehr aktiven Patienten. Seit Jahren bestanden therapieresistente Schulterschmerzen rechts. Ein eigentliches Unfallereignis war nicht erinnerlich. Die klinische Untersuchung zeigte einen positiven Jobe-Test. Eine Armhebung gegen die Schwerkraft war möglich, allerdings unter Schmerzen. Im Röntgen zeigten sich allenfalls beginnende Arthrosezeichen, der Oberarmkopf weist eine gute Zentrierung auf. Das Schulterdach wies eine Typ 3-Form auf. Ultraschall und MRT erbrachten den Nachweis einer Komplettruptur der Supraspinatussehne (oberer Anteil der Rotatorenmanschette) mit einer Retraktion von ca. 3-4 cm.
 
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Abb.1: Beim Blick in das Gelenk zeigt sich eine massive Auffaserung der langen Bicepssehne. Die erheblichen entzündlichen Veränderungen (rotes Gewebe am oberen Bildrand) deuten auf eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik hin.
     
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Abb. 2 und 3: Der Blick auf die Supraspinatus-Sehne zeigt die MR-tomografisch bereits gesicherte Ruptur (= Abriß der Sehne vom Oberarmknochen) mit einer Ausdehnung von ca. 3x3 cm. Am linken Bildrand die lange Bicepssehne. Rechts ein Stumpf des ursprünglichen Sehnenansatzes.
     
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Abb. 4 und 5: Nach Anlage eines seitlichen Arbeits-
zuganges (Hautschnitt von ca. 5 mm) wird der Ansatzbereich der Sehne mit einer rotierenden Miniaturfräse aufgeraut, damit die Sehne später gut in den Knochen einheilen kann.
     
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Abb. 6: Nun erfolgt die Durchtrennung der langen Bicepssehne (Tenotomie), die in einem zweiten Schritt in neuer Position am Oberarmknochen befestigt wird (Tenodoese).
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Abb. 7 und 8: Jetzt wird der Schulterdachsporn dargestellt und mit der Fräse geglättet, um eine Reibung an der reparierten Sehne zu vermeiden.
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Abb. 9 und 10: Beim Blick von der Seite wird das ganze Ausmaß der Lochbildung in der Sehne nochmals deutlich. Im unteren Bildanteil erkennt man das bereits vorbereitete Knochenlager (foot-print) für die Wiedereinheilung der Sehne in den Oberarmknochen. Im rechten Bild ist das Einbringen eines fadenbewehrten Titan-
ankers zu sehen.
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Abb. 11 bis 13: Nun die weiteren, zur Befestigung der Sehne in sogenannter "Zweireihen-Technik" (double-row) erforderlichenn Schritte. Mit Hilfe von zierlichen Instrumenten und Hilfsfäden werden die Ankerfäden durch das Sehnengewebe transportiert.
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Abb. 14 und 15: Ist die mediale Nachtreihe vollständig, kann der laterale (seitliche) Anker eingebracht werden, der die zweite Nahtreihe am Knochen fixiert. Auch hier werden die Fäden in endoskopischer Technik durch die Sehne gezogen.
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Abb 16: Abschließend werden die Fäden geknotet, die Sehne legt sich schön an ihren ursprünglichen Ansatz und wird dort von den Fäden bis zur stabilen knöchernen Einheilung festgehalten. Ein letzter arthroskopischer Blick von innen in das Gelenk zeigt die solide Rekonstruktion der Sehnenmanschette.
Der gesamte Eingriff wird von mir arthroskopisch durchgeführt, es müssen in der Regel ca. 5 - 6 kleine Haut-Einstiche an der Schulter vorgenommen werden. Die Operationsdauer (Vollnarkose) betrug im vorgestellten Fall ca. 90 Minuten.
Die Nachbehandlung umfasst eine 4- bis 6-wöchige Ruhigstellung auf einer Armbandage. Eine krankengymnastische Beübung der Schulter ist im Bewegungslimit Abduktion 45° möglich. Die Rotation kann schmerzlimitiert aktiv-assistiv vorgenommen werden. Zur Körperpflege wird die Bandage abgelegt, die betroffene Hand kann für kleinere Verrichtungen gefahrlos eingesetzt werden. Um den Einheilungsprozess der langen Bicepssehne nicht zu gefährden, ist für 6 Wochen auf eine forcierte Beugung des Ellenbogens gegen Widerstand zu verzichten. Bei normalem Ausheilungsergebnis ist die Schulter wieder kraftvoll und ohne Einschränkungen einsetzbar.
 
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